Der Städtetag weist auf die Situation von Kindern und Jugendlichen in der Krise hin. Er fordert Hilfe. Größenordnung: zwei Milliarden Euro.

Der Deutsche Städtetag weist auf die prekäre Situation von Kindern und Jugendlichen in der Coronakrise hin. Gegenüber dem Bund und den Ländern signalisiert der kommunale Spitzenverband aus Sicht der Städte die Bereitschaft zu helfen, fordert aber Unterstützung. Die dafür notwendigen Ressourcen beziffert er für die nächsten zwei bis drei Jahre auf rund zwei Milliarden Euro.

Coronakrise belastet Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen

Die Coronapandemie sei ein Ereignis mit „epochalen Auswirkungen“, sagte der Vizepräsident des Städtetags, OBM Markus Lewe aus Münster, heute bei einem Pressegespräch im Anschluss an eine Präsidiumssitzung des Verbands. Dabei gelte es, bei der Bekämpfung der Coronafolgen nicht nur die unmittelbar vom Virus Betroffenen im Blick zu halten, sondern auch die mittelbar Betroffenen. Insbesondere zählt er dazu die Gruppe der Kinder und Jugendlichen.

Die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen zeichne sich dadurch aus, dass sie für den weiteren Lebensweg prägende Phasen und „Weichenstellungen“ enthalte. Diese würden durch die Coronamaßnahmen massiv belastet. Es fehlten Kontakte und Begegnungen sowie soziale Infrastrukturen in Schulen und Kitas, in Feriencamps oder in Vereinen. Damit verbunden sei ein Mangel an Beschäftigungs-, Bewegungs-, Lern- oder Bildungsangeboten.

Bund und Länder sollen helfen: „Gesamtgesellschaftliche Aufgabe“

Gleichzeitig zeigten sich die Auswirkungen der Coronakrise etwa in der Zunahme psychischer Krisen und der wachsenden Gefahr von Süchten. Insbesondere Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligen Verhältnissen oder in zugewanderten Familien drohe es, dass sie den Anschluss verlieren. Diesen Phänomenen entgegenzuwirken sei eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Lewe.

Die Städte seien dazu bereit, entsprechende Hilfsangebote zu schaffen. „Doch wir brauchen dafür Unterstützung von Bund und Ländern“, sagt Lewe. Der Städtetagsvize wertete es als Erfolg der Verbandsarbeit, dass das Thema zuletzt in die bundespolitische Debatte eingezogen sei. Nun gelte es, konkrete Unterstützungsmaßnahmen zu planen – auch für die Bewältigung der Zeit nach der Pandemie.

Kinder und Jugendliche in der Krise: Städtetag mit Vorschlägen

Dabei denkt Lewe etwa an zusätzliche Kapazitäten für die Schulsozialarbeit, für die Familienberatung sowie erlebnispädagogische und psychosoziale Angebote. Um das Lernen zu entlasten, regt er sogenannte Study Halls etwa in Jugendzentren, Bibliotheken oder Kultureinrichtungen an. Dort können Kinder und Jugendliche unter Einhaltung von Coronaregeln zusammenkommen und lernen oder Hausaufgaben machen.

In den Kommunen schon vorhandene Förderstrukturen müssten gestärkt und ausgebaut werden. Dies könne beispielsweise dadurch geschehen, dass die Länder spezifische Projekte vor Ort etwa für kindgerechte Freizeit- und Erholungsangebote unterstützen. Zu den lokalen Maßnahmen zählten auch Mentorenprogramme oder die Aktivierung des Ehrenamts für die Quartiersarbeit. Zudem plädiert der Städtetag für eine Aufstockung des Bildungs- und Teilhabepakets des Bundes für Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien.

Darüber hinaus unterstreicht Lewe die Notwendigkeit, Bildungschancen und die soziale Balance zu erhalten. Dazu gehöre ein reibungsloser Übergang von der Schule in die weitere Ausbildung und in den Beruf. Dafür müssten bewährte Instrumente wie Praktika oder Orientierungskurse in Zeiten der Pandemie entsprechend neu justiert werden.

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