Die Coronakrise stellt Unternehmen der Kultur- und Freizeitökonomie die Existenzfrage. Für den Zoo Neuwied kommt die unverhoffte Rettung.

Der verlängerte Lockdown verschärft die Lage für kommunale Einrichtungen und Unternehmen im Bereich der Kultur- und Kreativökonomie sowie der Freizeitwirtschaft. Ein Beispiel dafür ist der Zoo Neuwied. Für ihn kam gestern allerdings die Rettung: Ein breites bürgerschaftliches Engagement sichert seine Liquidität. Er ist ein positives Beispiel in einer schwierigen Zeit. Denn bei weitem nicht alle Einrichtungen, die mit ausbleibenden Zuschauereinnahmen ringen, finden diese breite Unterstützung.

Hilferuf des Oberbürgermeisters löst Spendenbereitschaft aus

OBM Jan Einig aus Neuwied (Quelle: Stadt Neuwied)

OBM Jan Einig aus Neuwied (Quelle: Stadt Neuwied)

Zuvor erreichte das Schicksal des größten Zoos des Landes sogar die rheinland-pfälzische Landesregierung. In einem Brandbrief wandte sich OBM Jan Einig vor wenigen Tagen mit der Bitte um Unterstützung an Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Das Land hatte in der Vergangenheit die Entwicklung des Zoos mehrfach gefördert.

Eigentlich hatte die Ministerpräsidentin daher diesbezüglich für gestern zu einem runden Tisch geladen. Der wurde aber kurzfristig abgesagt. Denn nach dem Hilferuf des Oberbürgermeisters erfuhr die Finanzklemme des Zoos eine so breite Aufmerksamkeit, das eine Spendenaktion die für seinen Fortbestand nötigen Finanzmittel zusammenbrachte.

Liquidität gesichert: 250.000 Euro in vier Tagen

Getragen wird der Zoo von einem Verein, dessen Vorsitzender per Satzung der Oberbürgermeister von Neuwied ist. Die Auswirkungen der Coronakrise und jüngst der seit Herbst geltende Lockdown führten für den Zoo – wie für zahlreiche Unternehmen der Kultur- und Freizeitökonomie – zu existenzgefährdenden Einnahmeausfällen. Nach dem Brandbrief des Oberbürgermeisters fanden sich allerdings Spender: Innerhalb von vier Tagen gingen über 250.000 Euro ein.

Die Unterstützung vieler hundert Spender habe den Bestand des Zoos „aus heutiger Sicht gesichert“, so OBM Einig. „Die beantragte Überbrückungshilfe für November soll Anfang kommender Woche ausgezahlt werden. Die Dezember- und Januarhilfen sind beantragt und im Verfahren. Außerdem wird die Futterhilfe von November bis Juni verlängert“, teilte der Zoo gestern in einer Pressemeldung mit.

OBM Einig: Vorerst keine Sonderförderung für den Zoo

„Dadurch hat sich die wirtschaftliche Lage des Zoos in einem Maße entspannt, dass wir als Zooförderverein zum jetzigen Zeitpunkt keine zusätzliche Sonderförderung in Form eines Rettungsschirmes des Landes, wie er seit Tagen im Gespräch ist, in Anspruch nehmen wollen“, so Einig. Gegenüber den vielen durch die Coronakrise in existentielle Schieflage geratenen Unternehmen, Institutionen, Vereinen und Verbänden sei es nicht vermittelbar, zum jetzigen Zeitpunkt weitere staatliche Soforthilfen abzurufen.

„Das sah Anfang letzter Woche allerdings noch fundamental anders aus, und mit einer solch rasanten positiven Entwicklung konnte niemand der Verantwortlichen im Zoo Neuwied rechnen“, sagt Einig. „Ob wir zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auf das Gesprächsangebot des Landes zurückkommen müssen, hängt natürlich auch von dem heute noch nicht kalkulierbaren weiteren Verlauf der Pandemie und den bereits beantragten öffentlichen Förderungen ab.“

Zoo kann auf Coronahilfen setzen

Dreyer kündigte an, der Zoo werde aus Landes- und Bundesmitteln in den kommenden Wochen zusätzlich mit über 150.000 Euro unterstützt. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium habe zudem die sogenannte Futterhilfe, die Unterstützung von notleidenden Tierheimen, Zoos und vergleichbaren Einrichtungen, bis Juni 2021 verlängert. Das Programm umfasst bis zu einer Million Euro. Die Hilfe ersetzt bis zu 80 Prozent der während der Schließung anfallenden Futter- und Tierarztkosten.

Für den Zoo Neuwied bedeutet dies nach einer Information der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei 8.000 Euro monatlich aus der Futterhilfe. Nach Freischaltung des Bearbeitungssystems durch den Bund könne nach bereits erfolgter Abschlagszahlung in Höhe von 10.000 Euro die restliche Auszahlung der Novemberhilfe in Höhe von 89.000 Euro an den Zoo erfolgen. Zudem habe der Zoo nach einem Hinweis des Landes die Dezemberhilfe in Höhe von 60.000 Euro beantragt. Sobald eine Antragstellung möglich sei, könne der Zoo wohl auch mit Mitteln aus der sogenannten Überbrückungshilfe III kalkulieren.

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