In Lahr offenbart sich anhand eines Schwimmbadstreits, wie die Coronakrise die europäische Idee belastet. OBM Markus Ibert hält dagegen.

Die Coronakrise wirkt offenbar belastend auf die europäische Integration. Die innereuropäischen Grenzschließungen, die während des Lockdowns als Maßnahme gegen die Virusverbreitung umgesetzt wurden, dürften entsprechende Ressentiments verstärkt haben. Dies zeigt sich nun auf der lokalen Ebene, beispielsweise in Lahr.

Dort tritt in der Stadtgesellschaft eine Diskussion darüber auf, ob das örtliche Terrassenbad für Badegäste aus dem benachbarten Frankreich beschränkt werden sollte. Dieser Debatte stellt sich Oberbürgermeister Markus Ibert entgegen.

Europäisches Miteinander oder Ausweiskontrollen im Lahrer Schwimmbad?

Täglich dürfen aufgrund der Maßnahmen gegen Corona nur 1.000 Badegäste gleichzeitig das Schwimmbadgelände aufsuchen. Darunter wird ein hoher Anteil an Franzosen vermutet. Manche sprechen sich daher für Ausweiskontrollen am Eingang der städtischen Freizeiteinrichtung aus, damit die Badekapazitäten den Einheimischen vorbehalten bleiben.

In einem heute veröffentlichten Statement wehrt Ibert diese Gedanken entschieden ab. Sie widersprächen der europäischen Idee. Ibert verweist darauf, dass alle Akteure der Region die Schließung der Grenzen zu Beginn der Coronakrise als sehr schmerzhaft empfunden hätten. Daher habe er zuletzt im Eurodistrikt Straßburg-Ortenau eine Resolution für eine engere grenzüberschreitende Zusammenarbeit unterstützt. „Die Mitglieder des Eurodistrikts sprechen sich für Zusammenhalt und Solidarität aus, für einen europäischen Geist des grenzüberschreitenden Miteinanders“, sagt Ibert.

Für ihn sei das „kein Sommerthema“, sondern gelte das ganze Jahr. Auch Lahrer führen nach Frankreich in Urlaub. „Wir sind eine weltoffene, eine europäische Stadt. Gäste, auch Badegäste, sind uns stets willkommen“, so Ibert. „Wir hoffen, dass wir keine Einschränkungen im Grenzverkehr durch Corona mehr benötigen.“

OBM kritisieren Grenzpolitik während der Coronakrise

Nicht nur Ibert, sondern auch Amtskollegen wie OBM Uwe Conradt aus Saarbrücken, OBM Markus Zwick aus Pirmasens oder OBM Toni Vetrano aus Kehl sprachen sich in der Vergangenheit mehrfach gegen Grenzschließungen im Zusammenhang mit der Coronakrise aus.

Aus Sicht der Städte seien Grenzschließungen kein zielführendes Mittel im Kampf gegen den Virus. Sie erschwerten unverhältnismäßig das Alltagsgeschehen in den Grenzregionen und stellten den europäischen Gedanken infrage.

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