Zum Brexit starteten Görlitz und Zgorzelec eine Kampagne. Damit werben die Städte um Fachkräfte aus Großbritannien. Was ist daraus geworden?

Angesichts des Brexit startete die Europastadt Görlitz/Zgorzelec eine Imagekampagne. Diese wirbt für das Profil der deutsch-polnischen Schwesterstädte und zielt unter anderem darauf ab, Menschen, die bislang in Großbritannien leben und durch den Brexit verunsichert sind, für die Region zu gewinnen. Was aus der Kampagne geworden ist und wie sie durch die Coronakrise verändert wurde, erklärt OBM Octavian Ursu aus Görlitz im Interview.

Görlitz und Zgorzelec: einmalige europäische Atmosphäre

OBM: Herr Ursu, gemeinsam mit Ihrer polnischen Schwesterstadt starteten Sie hinsichtlich des Brexit eine Kampagne, um um Briten zu „werben“. Was war die Intention?

Octavian Ursu: Vor ungefähr einem Jahr startete die Kampagne, um die Lebensqualität, die Chancen und die besonderen Vorteile beim Leben in der deutsch-polnischen Europastadt und der ganzen Region zu zeigen und damit gezielt umzugswillige Polen in Großbritannien anzusprechen. Dabei kamen Testimonials in Videos und Blogbeiträgen zu Wort, die von ihren Erfahrungen vor Ort erzählen und ihr Leben an beiden Seiten der Neiße zeigen. Die Initiatoren der Kampagne stießen dabei immer wieder auf Personen, die erst kürzlich in die Europastadt gekommen waren, um hier mit ihrer Familie eine neue Zukunft aufzubauen. Als deutsch-polnische Europastadt wachsen Görlitz und Zgorzelec seit vielen Jahren zusammen und schaffen so eine einmalige europäische Atmosphäre und Lebensart. Im besonderen Fokus der Kampagne standen daher polnische Fachkräfte, die aktuell in Großbritannien leben und aufgrund des Brexit an einen Umzug denken.

OBM: Wie lief die Kampagne an?

Octavian Ursu: Die Kampagne lief sehr gut an. Unsere Marketinggesellschaft startete im November 2019 mit der mehrsprachigen Informationsplattform www.welcome-goerlitz-zgorzelec.com und mehreren begleitenden Kommunikationsmaßnahmen, vor allem online und in den sozialen Netzwerken. Damit wurde passgenau unsere Zielgruppe in Großbritannien erreicht.

Corona: Grenzschließungen konterkarieren Brexit-Kampagne

Wirbt mit authentischen Motiven für das internationale Flair der Städte Görlitz und Zgorzelec: die gemeinsame Kampagne anlässlich des Brexit. (Quelle: Stadt Görlitz)

Wirbt mit authentischen Motiven für das internationale Flair der Städte Görlitz und Zgorzelec: die gemeinsame Kampagne anlässlich des Brexit. (Quelle: Stadt Görlitz)

OBM: Wurde die Kampagne von Corona unterbrochen? Welche Auswirkungen hat Corona auf Ihre Bemühungen?

Octavian Ursu: Ja, leider musste im Frühling 2019 eine Kommunikationspause eingelegt werden. Es stand nicht nur das öffentliche Leben still, sondern es gab auch Grenzschließungen. Das machte deutlich, wie sehr wir mit unserer Schwesterstadt im Alltag verbunden sind und wie schmerzlich es ist, wenn diese Selbstverständlichkeit auf einmal nicht mehr da ist. Die Hauptaussage der Kampagne war vorübergehend nicht mehr greifbar. Im August konnte die Aktion jedoch mit neuen Stories von Testimonials wieder fortgeführt werden. Es folgten weitere Werbe-, Social Media- sowie PR-Maßnahmen.

Kampagne wird mit erweitertem Fokus fortgesetzt

OBM: Wie fällt Ihr Resümee der Kampagne aus? Gibt es konkrete Ansiedlungen?

Octavian Ursu: Wir haben vor allem Aufmerksamkeit erreicht, und das ist schon mal ein großer Erfolg. Viele nationale und internationale Medien haben darüber berichtet, etwa Ende des Jahres die internationale Nachrichtenagentur AFP, Polish Express oder erst kürzlich auch der Daily Telegraph aus London. Eine direkte Erfolgsmessung im Sinne von „Wieviel Personen sind wegen der Kampagne neu zugezogen“ ist schwierig, denn sie melden sich natürlich nicht bei uns. Wir wissen von einigen Personen, die in den letzten Monaten neu nach Görlitz/Zgorzelec gezogen beziehungsweise wieder hierher zurückgekehrt sind. Einige durfte unsere Wirtschaftsförderung porträtieren. Das bestätigt uns grundsätzlich in der Fortführung der Kampagne. Unsere Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH wird die Kampagne auf jeden Fall fortführen, jedoch die Zielgruppe etwas breiter fassen und dabei internationale Fachkräfte insgesamt in den Blick nehmen.

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