Mit einem Elf-Punkte-Plan möchte das Ruhrgebiet in interkommunaler Kooperation seinen ÖPNV entwickeln. Dies führt zur stärkeren Integration der Region.

Einen Elf-Punkte-Plan zur Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Metropole Ruhr haben die Oberbürgermeister und Landräte des Ruhrgebiets zusammen mit den Nahverkehrsunternehmen und dem Regionalverband Ruhr gestern in Bochum unterschrieben. Dessen Ziel ist es, die interkommunale Kooperation zu stärken und den ÖPNV in der Region gemeinsam zu entwickeln. Im Fokus steht dabei ein einheitliches Tarifsystem. Da „die finanziellen Mittel für eine Umsetzung vieler der elf Punkte durch die Unternehmen und Kommunen allein nicht zu stemmen“ seien, fordern die Akteure eine Unterstützung von Bund und Land.

Regionale Integration durch Elf-Punkte-Plan für den ÖPNV

Für die Landschaft an Verkehrsunternehmen bedeutet die neue Kooperation einen strukturellen Einschnitt und eine regionale Integration. „Der Grundgedanke, Aufgaben aus einer Hand zu erledigen, ist ein wichtiger Schritt zu einem gut funktionierenden Nahverkehr im Ruhrgebiet“, erklärt OBM Frank Baranowski aus Gelsenkirchen. Ziel sei, dass sich die Menschen möglichst unkompliziert, ohne auf unterschiedliche Fahrpläne und Tarifzonen achten zu müssen, durch die Metropole Ruhr bewegen könnten. „Mit dem ÖPNV-Stärkungsplan kommen wir diesem Ziel ein gutes Stück näher.“

Für die Mobilität im Ruhrgebiet sei das gemeinsame Vorhaben wegweisend. „Mit einem über die Stadtgrenzen hinweg nahtlosen Angebot entscheidet sich, ob wir einer Metropole gerecht werden“, sagt OBM Thomas Kufen aus Essen. Voraussetzung dafür seien „aufeinander abgestimmte Nahverkehrspläne, einheitliche Tarifzonen und gemeinsame verkehrspolitische Ziele“.

Zudem sieht Thomas Eiskirch, OBM aus Bochum, neue Perspektiven für die Verkehrsunternehmen und deren technologischer Entwicklung, etwa was gemeinsame Standards für elektro- oder wasserstoffbetriebene Busse angeht. Eiskirch: „Zum ersten Mal ist es gelungen, dass alle Kommunen, Kreise und Verkehrsunternehmen des Ruhrgebiets organisiert an einem Strang ziehen.“

Fußball-EM und Olympia als Treiber für den ÖPNV

Dafür sind auch anstehende Sportereignisse wichtige Treiber. So spielte für den Elf-Punkte-Plan nicht zuletzt der Blick auf die Fußballeuropameisterschaft 2024 in Deutschland und die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2032 eine Rolle. Im Kontext dieser Großereignisse möchte sich die Region der internationalen Öffentlichkeit umso stärker als ein metropolitaner Raum im Sinne einer Global City präsentieren.

Darüber hinaus steht der Plan im Zeichen der Nachhaltigkeit und der Bewerbung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) als Modellregion des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung. „Diese Initiative mit der einhergehenden Ausweitung bisheriger Kooperationen bringt die Verkehrswende in der Metropole Ruhr weiter voran“, sagt OBM Ulrich Sierau aus Dortmund.

Basis der interkommunalen Zusammenarbeit ist die Ausweitung der bereits innerhalb des VRR bestehenden „Kooperation östliches Ruhrgebiet“ hin zu einer „Kooperation Metropole Ruhr“, die die gesamte Region umfasst. Darin schließen sich nun alle Verkehrsunternehmen des Ruhrgebiet zusammen. Zudem soll der Plan mit der Überschrift „1 Metropole – 11 Punkte – 12 Unternehmen“ eine Grundlage dafür sein, dass der ÖPNV im Ruhrgebiet nach der Coronakrise „neu durchstarten kann“.

Der Elf-Punkte-Plan: Vom sauberen ÖPNV bis zur App

Bei der Unterzeichnung des Elf-Punkte-Plans für den ÖPNV: Stadtwerke-FInanzvorstand Jörg Jacoby und und OBM Ulrich Sierau aus Dortmund (Quelle: Stadt Bochum/Andre Grabowski)

Bei der Unterzeichnung des Elf-Punkte-Plans für den ÖPNV: Stadtwerke-Finanzvorstand Jörg Jacoby und OBM Ulrich Sierau aus Dortmund (Quelle: Stadt Bochum/Andre Grabowski)

Der gemeinsam erarbeitete Elf-Punkte-Plan sieht unter anderem mehr Metrobuslinien als Ergänzung zum bestehenden Angebot von Bus und Bahn vor.

Der kontinuierliche Ausbau von Elektro- und Wasserstoffbussen soll den Nahverkehr im Ruhrgebiet sauberer machen.

Dazu gehen die Kommunen und Verkehrsunternehmen einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Smart City: Für die Fahrgäste werden alle Mobilitätsangebote in einer App gebündelt.

Die kontinuierlichen Verbesserungen im Takt, bei der Pünktlichkeit, Sauberkeit und beim Service sollen das Image des Nahverkehrs in der Metropole Ruhr positiv beeinflussen.

Damit einhergehen auch Neuerungen innerhalb der Gremienorganisation. Um die Interessen der Region für einen starken Nahverkehr zu bündeln, soll zukünftig eine Personenidentität bei der Besetzung der Aufsichtsräte der Verkehrsunternehmen und der Besetzung der Verbandsversammlung des VRR bestehen. Das heißt, in die Verbandsversammlung des Verkehrsverbunds können nur Aufsichtsratsmitglieder der kommunalen Verkehrsunternehmen entsandt werden.

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