Morgen findet die Earth Hour statt. Fulda macht mit. Ohnehin engagiert sich die Stadt gegen Lichtverschmutzung als erste „Sternenstadt“ Deutschlands.

Der neue Titel, den sie Stadt Fulda seit etwa einem Jahr trägt, klingt wie ein Setup der Science-Fiction-Saga „Star Wars“. Doch die Stadt befindet sich nicht irgendwo in einer fernen Galaxie, sondern irgendwo in Osthessen auf dem hiesigen Planeten Erde. Fulda ist die erste deutsche „Sternenstadt“, offiziell zertifiziert als „Dark Sky Community“.

Was futuristisch anmutet, ist ein augenfälliges Beispiel dafür, wie Städte vermehrt Verantwortung für nachhaltiges Handeln übernehmen und dafür in internationalen Netzwerken wirken. So versetzen sich einzelne Städte in die Lage, Debattenbeiträge zu liefern und Themen zu setzen, die bis dato im nationalen und internationalen politischen Diskurs eher unbeleuchtet sind.

Pionierin im Kampf gegen Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung und Maßnahmen dagegen sind ein solches, bislang wenig beachtetes Thema. Diesem widmet sich die Stadt Fulda nun als „Dark Sky Community“. Vergeben wird das Prädikat von der „International Dark-Sky Association“, einer 1988 gegründeten Vereinigung von Astronomen, die zum Ziel hat, die Lichtverschmutzung zu reduzieren. Aktuell gibt es weltweit 22 „Dark Sky Communities“, vorwiegend in den USA. Davon ist Fulda mit rund 70.000 Einwohnern nach dem amerikanischen Flagstaff die zweitgrößte Stadt.

Bei Lichtverschmutzung handelt es sich um die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht, das die natürliche Dunkelheit stört und negative Auswirkungen auf Lebewesen und Pflanzen, etwa Vögel, Fledermäuse sowie nachtaktive Insekten oder den menschlichen Organismus, haben kann. Zudem „vernebelt“ es den ungetrübten Blick auf den Sternenhimmel. Vor allem dichtbesiedelte urbane Räume sorgen für ein solches Streulicht.

Wingenfeld: Die “Sternenstadt” ist Ausdruck einer Haltung

Setzt sich gegen Lichtverschmutzung ein: OBM Heiko Wingenfeld aus der "Sternenstadt" Fulda. (Quelle: Stadt Fulda/Marzena Seidel)

Setzt sich gegen Lichtverschmutzung ein: OBM Heiko Wingenfeld aus der “Sternenstadt” Fulda. (Quelle: Stadt Fulda/Marzena Seidel)

Für den Fuldaer OBM Heiko Wingenfeld ist das Engagement gegen Lichtverschmutzung auch Ausdruck einer Haltung. Wie wegweisend das Engagement der Stadt sein kann, zeigt sich an der jährlichen Aktion “Earth Hour”. Die findet morgen zum 14. Mal statt. Dabei schalten weltweit hunderte Städte für den Zeitraum einer Stunde die Beleuchtung markanter Bauwerke ab. So wollen sie ein Signal für den Klimaschutz und nicht zuletzt für einen bewussteren Umgang mit Licht und Energie setzen.

Als “Sternenstadt” will Fulda Vorbild sein und nicht nur ein Bewusstsein für die Pracht der natürlichen Umgebung schaffen, sondern auch aufzeigen, dass diese nicht im Widerspruch zu urbanem Leben stehen muss. Wingenfeld verzeichnet ein starkes Interesse daran: Als Fulda die Meldung herausgab, „Sternenstadt“ zu sein, berichteten zahlreiche nationale und internationale Medien darüber.

Konkrete touristische Auswirkungen seien zwar noch nicht messbar, teilte die Stadtverwaltung vor wenigen Monaten auf Anfrage der OBM-Zeitung mit. Allerdings habe der regionale Kreisverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes bereits bekundet, mit dem Titel „Sternenstadt“ werben zu wollen.

Ein bewussterer Einsatz von Lichtquellen

Die Bürger in der eigenen Stadt seien von dem neuen Label ebenfalls begeistert, selbst wenn er anfangs vereinzelt die besorgte Frage habe beantworten müssen, ob es in Fulda denn nachts nun stockduster sei, erinnert sich OBM Wingenfeld. Natürlich gingen in Fulda nicht alle Lichter aus, betont er. Es ergebe sich auch kein erhöhtes Sicherheitsrisiko auf den Straßen. Vielmehr gehe es um einen bewussteren, effizienteren und damit verantwortungsvolleren Einsatz von Lichtquellen.

Dafür gibt es nun unter anderem eine „Richtlinie der Stadt Fulda zum nachhaltigen Umgang mit funktionalem und gestalterischem Licht im Außenbereich“. Die gilt als Maßstab für kommunales Handeln, etwa für die Beleuchtung öffentlicher Gebäude oder der Straßen; sie richtet sich aber auch an private und gewerbliche Lichtplaner. „Für eine konkrete städtebauliche Verankerung fehlt derzeit die baurechtliche Grundlage“, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Bauaufsicht weise bei Anträgen auf Beleuchtungsvorhaben jedoch auf die Richtlinie hin und appelliere an Bauherren, diese einzuhalten.

Lichtfarbe, Lichtlenkung, Lichtsteuerung

Wesentliche Aspekte sind darin Vorgaben zur Lichtfarbe, zur Lichtlenkung und zur Lichtsteuerung. Die Lichtfarbe soll möglichst „warm“ sein, um das nächtliche Himmelsbild möglichst wenig zu beeinflussen. Die Lichtlenkung zielt darauf ab, die Beleuchtungsanlagen zielgerichtet einzusetzen und Abstrahlungen über den Bestimmungsbereich hinaus, vor allem oberhalb der Horizontalen, zu vermeiden.

Bei der Lichtsteuerung geht es um das Reduzieren der Lichtmenge und Energieeinsparung durch Dimmen oder Abschalten. Für die Straßenbeleuchtung bedeutet dies etwa ein Dimmen in der verkehrsschwachen Zeit. Ohnehin rüstet Fulda seine Straßenbeleuchtung seit Jahren konsequent mit energie- und lichteffizienter LED-Technik aus.

Sternenstadt als Pendent zum Sternenpark

Für die „Sternenstadt“ habe der kommunale Energieversorger RhönEnergie Fulda, der von Stadt und Landkreis Fulda getragen wird und an dem außerdem die Thüga AG und der Landkreis Hersfeld-Rotenburg beteiligt sind, als Partner etwa für die Umrüstung der Straßenbeleuchtung eine wichtige Funktion, erklärt Wingenfeld. Dies unterstreiche die Relevanz kommunaler Unternehmen der Daseinsvorsorge für die Umsetzung stadtstrategischer Ziele.

Die regionale Vernetzung der Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung zeige sich zudem in der kooperativen Nachbarschaft zum Sternenpark im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Als dessen urbanes Pendent gelte die Sternenstadt Fulda nun.

Fulda, may the force be with you!

Nicht ohne Stolz präsentiert die Stadt auf der Webseite www.sternenstadt-fulda.de ihre Vorreiterrolle für den Kampf gegen Lichtverschmutzung in Deutschland, in der Welt, ja, in dieser Galaxie. Apropos Galaxie, Lichterkampf und „Star Wars“: Fulda, may the force be with you!

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