Der „Branchenkompass Public Sector 2020“ zeigt Trends der Digitalisierung von Verwaltungen. Sie verlangt nach einer neuen Innovationskultur.

Um die Digitalisierung von Kommunen voranzubringen, sind dafür organisierte Prozesse, eine Innovationskultur in Verwaltungen und interkommunale Kooperationen notwendig. Hürden für die Entwicklung zur Smart City bestehen unter anderem in einer gewissen Uneinheitlichkeit, was den Einsatz von IT-Systemen betrifft, und daraus resultierenden Medienbrüchen. Auch ist die digitale Entwicklungsdynamik in verschiedenen Städten unterschiedlich. Vom Bund ist daher zu erwarten, dass er entsprechende Rahmenbedingungen gestaltet. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle „Branchenkompass Public Sector 2020“.

Die Studie ist unter dem Titel „Digitalisierung beschleunigt sich“ jetzt erschienen und kann hier bestellt werden. Herausgegeben wird sie vom F.A.Z.-Institut und Sopra Steria. Ihre Ergebnisse fußen auf einer Befragung von 100 Entscheidern aus 100 Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen sowie diversen Experteninterviews.

Bund sollte Rahmenbedingungen mitgestalten

Die Studie dokumentiert ein mannigfaltiges Engagement der öffentlichen Verwaltungen im Bereich ihrer Digitalisierung. Was die Hindernisse dafür angeht, nennen 82 Prozent der Befragten Medienbrüche und Schnittstellenprobleme, also die Inkompatibilität unterschiedlicher Verwaltungssysteme untereinander, als hemmend. Dies fordert dazu auf, Digitalisierungsprozesse integriert zu denken, also die IT-Lösungen für einzelne Fachverfahren im Gesamtkontext der digitalen Verwaltung zu begreifen.

Zudem bieten sich interkommunale Abstimmungen an, um zu standardisierten Lösungen zu kommen. Bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes, also der Schaffung des digitalen Zugangs von Bürgern zu Verwaltungsservices, sollte der Bund effiziente Rahmenbedingungen mitgestalten, um eine Vielzahl einzelner Lösungen zu minimieren und so öffentliche Ressourcen zu schonen.

Neben der Synchronisierung von IT-Systemen deutet sich der Fachkräftemangel als eine Hürde der Digitalisierung an. Nicht besetzte Stellen beschreiben 72 Prozent der Befragten als ein Hindernis. Die unklare Rechtslage bezeichnen 67 Prozent als bremsenden Faktor. Inkompatible IT-Systeme der föderalen Verwaltungen nennen 64 Prozent.

Innovationsmanagement in Verwaltungen gewinnt Bedeutung

Um die Digitalisierung der Verwaltungen in Deutschland voranzubringen, identifiziert die Studie kooperative Ansätze als förderlich. Die Bedeutung von Innovationsmanagement in Verwaltungen für die Entwicklung neuer Lösungen werde wachsen. Dafür sollten Kommunen verstärkt auf eine eigene Digitalstrategie setzen, die auch die Frage nach einer internen Innovationskultur berücksichtige. Change Management, der Einbezug der Mitarbeiter in den Prozess der digitalen Transformation, sei dafür ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Darüber hinaus schreibt die Studie der Coronakrise und den damit verbundenen praktischen Erfahrungen, etwa was Home-Office- oder Cloudlösungen betrifft, das Potential zu, der Digitalisierung einen zusätzlichen Schub zu verleihen. Eine genaue Erörterung diesbezüglich vermag sie allerdings nicht zu leisten. Dies gilt vor allem deshalb, weil sich wesentliche Effekte der Coronakrise auf die Digitalisierung – wie die Auswirkung entsprechender Investitionen aus dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung – erst nach dem Erscheinen der Studie abzeichnen.

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