Dortmund priorisiert Open-Source-Software und verankert Homeofficelösungen in der Verwaltung. Dies hat der Stadtrat grundsätzlich beschlossen.

Open Source statt proprietärer Software: Für ihren Softwareeinsatz setzt die Stadt Dortmund eine klare Priorität. Zukünftig möchte sie den Anteil von freier Software und offenen Standards an ihren digitalen Anwendungen innerhalb der Verwaltung steigern. Dies hat der Stadtrat am 11. Februar beschlossen. Der Beschluss zielt außerdem auf eine „vollständige Homeofficefähigkeit aller Prozesse ohne direkten Bürgerkontakt“ sowie die „damit verbundene Befähigung der Mitarbeiter“ ab.

Kriterien für die Digitalisierung: Open-Source-Software und Homeoffice

Für die strategische Ausrichtung der Stadt als Smart City und ihre immaterielle digitale Infrastruktur bedeutet der Beschluss eine zukunftsträchtige Weichenstellung. Die Entscheidungen des Stadtrats stehen im Kontext eines sogenannten Memorandums zur Digitalisierung 2020 bis 2025. Damit setzt der Rat Leitplanken für den lokalen Digitalisierungsprozess. Gleichzeitig fordert er von der Verwaltung bis zum 30. Juni eine „Roadmap“ für die Digitalisierung.

Die Priorisierung von Freier Software definiert der Stadtrat dafür als eines der Kriterien. Gleiches gilt für die Befähigung zum Homeoffice. Die Stadt verpflichtet sich allerdings nicht nur dazu, grundsätzlich überall dort, „wo möglich“, Open-Source-Software einzusetzen, sondern auch dazu, selbst zur Entwicklung von Freier Software beizutragen. Im Beschluss des Rats heißt es: „Von der Verwaltung entwickelte oder zur Entwicklung beauftragte Software wird der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt.“

Open-Source: Digitale „Zeitenwende“ in Dortmund

Christian Nähle (Quelle: privat)

Christian Nähle (Quelle: privat)

Was die städtische Datensouveränität und das Streben nach einer größeren Unabhängigkeit von global agierenden Softwareherstellern betrifft, bedeute der Beschluss eine „Zeitenwende“, sagt Christian Nähle von „Do-FOSS“ (Free and Open Source Software, kurz FOSS). Die bürgerschaftliche Dortmunder Initiative Do-FOSS, die in Projekten auch mit der Stadt zusammenarbeitet, setzt sich für den Einsatz von freier Software und offenen Standards ein. Damit zielt sie insbesondere darauf ab, die digitale Infrastruktur der öffentlichen Daseinsvorsorge unabhängiger von marktdominierenden Herstellern, souveräner und robuster zu machen.

Dass der Stadtrat nun grundsätzlich Open-Source-Software der proprietären Software vorziehe, sei eine „Beweislastumkehr“, meint Nähle. Für die Debatte um die Verwendung von Open-Source-Software bedeute dies einen Meilenstein: Ob Open-Source-Software in die IT der Verwaltung einziehen soll, sei dadurch grundlegend geklärt. Vielmehr könne man sich nun auf die Frage, wie dies konkret geschehen kann, konzentrieren. Dies komme der städtischen Datensouveränität zugute und stärke den Einfluss der Kommune auf ihre immaterielle, digitale Infrastruktur.

Dass die Stadt darüber hinaus zukünftig eigene Softwareentwicklungen der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, korrespondiere mit der Open-Source-Philosophie. Dass die mit öffentlichen Geldern entwickelte Software auch durch offene Standards und freie Lizenzen der Öffentlichkeit diene, sei Teil des Open-Source-Gedankens, so Nähle. Dazu verweist er auf das Motto „Public money, public code“, „Öffentliches Geld, öffentlicher Code“.

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